Auf einen Blick
- Dokumente aus dem Unternehmensarchiv belegen historische Bedeutung
- Eine Spurensuche entlang historischer Indizien
- Ab sofort live auf dem Porsche YouTube-Kanal
Für eine neue Folge der „Raceborn Moments“ stellt Porsche Heritage und Museum die Geschichte eines 356 SL aus der Unternehmenssammlung in den Fokus. Akten, Fotografien und historische Aufzeichnungen eröffnen einen neuen Blick auf das Fahrzeug und seine Rolle in den frühen Jahren des Porsche Motorsports.
Der Porsche 356 SL von 1952 hat das Unternehmen nie verlassen. Trotzdem ist seine Geschichte nur wenig bekannt. Die neueste Folge von „Raceborn Moments“ geht der Identität dieses Autos nach. Dafür hat das Unternehmensarchiv zusammen mit Experten zahlreiche Quellen und historische Fotografien ausgewertet. „Wenn wir die Geschichte dieses 356 SL verstehen möchten, müssen wir neben seinen spezifischen Einsätzen und seinen belegbaren technischen Merkmalen auch die Geschichte der anderen Fahrzeuge kennen“, sagt Frank Jung, Leiter Unternehmensarchiv und Sammlungen.
Projekt „514“: die frühen 356 SL
Die Vorgeschichte reicht bis 1950 zurück. Rennleiter Paul von Guilleaume spricht Ferry Porsche damals auf die Teilnahme bei einem internationalen Rennen an. Zu diesem Zeitpunkt ist ein Einsatz noch nicht möglich: Die Produktion in Stuttgart ist gerade angelaufen, die ersten Fahrzeuge sind bereits an Händler vergeben. Für die späteren 356 SL greift Porsche auf noch vorhandene Aluminiumkarosserien aus der Gmünder Zeit zurück. Ein Teil war bei Tatra in Wien gefertigt worden. Die dort vergebenen Karosserienummern sind für die heutige Recherche von besonderer Bedeutung. Verbliebene Exemplare werden später in Stuttgart für den Rennsport aufgebaut und modifiziert.
In internen Unterlagen findet sich für das Projekt die Bezeichnung „514“. Sie gehört ursprünglich zum Motortyp, erscheint in den Dokumenten aber ebenso im Zusammenhang mit dem Gesamtprojekt.
1951 entstehen insgesamt fünf 356 SL. 1952 entstehen aus vier weiteren Aluminiumkarosserien vier 356 SL. Damit beläuft sich die Gesamtzahl auf neun. Einer der Wagen von 1952 bleibt bei Porsche und wird für Renneinsätze und noch einige Jahre für Versuche genutzt. Heute gehört er zur Unternehmenssammlung.
Rekonstruktion der Fahrzeuggeschichte
Auch der durchgehende Unternehmensbesitz klärt die historische Zuordnung nicht von selbst. Die Unterlagen führen verschiedene Nummernsysteme. Neben den Fahrgestellnummern finden sich Karosserienummern aus der Fertigung bei Tatra in Wien. Mit ihrer Hilfe können einzelne Karosserien über mehrere Dokumente hinweg identifiziert und Stationen der Wagen nachvollzogen werden. Die Untersuchung des Fahrzeugs aus 1952 bezog deshalb auch die Recherche zu den übrigen 356 SL mit ein.
Die Spuren finden sich in unterschiedlichen Beständen des Unternehmensarchivs. Notizbücher des Renningenieurs Wilhelm Hild dokumentieren Fahrzeuge und Einsätze. Finanzunterlagen zeigen, wie viele Aluminiumkarosserien zu bestimmten Zeitpunkten noch vorhanden waren. Meldedokumente aus dem Rennsport helfen dabei, verwendete Fahrgestellnummern zeitlich einzuordnen. Hinzu kommen Aufzeichnungen von Karl Rabe, der zu den frühen Porsche-Konstrukteuren gehörte und maßgeblich an der Entwicklung des 356 beteiligt war.
Anschließend gleicht das Unternehmensarchiv die Akten, Fotografien und Recherchen von externen Experten mit bestehender Literatur und privaten Quellen ab. Manchmal bestätigt eine Aufnahme die Zuordnung, manchmal beantwortet ein Dokument eine Frage, die sich erst beim Betrachten des Bildes ergibt. Der Abgleich zeigt, welcher Wagen zu welchem Zeitpunkt gemeint ist.
„Mit dieser Folge der ‚Raceborn Moments‘ geben wir Einblick in die historische Arbeit von Porsche Heritage und Museum. Wir zeigen nicht nur das Fahrzeug und seine Geschichte, wir zeigen auch, wie wir zu unseren Erkenntnissen gelangen“, sagt Achim Stejskal, Leiter Porsche Heritage und Museum. „Das Unternehmensarchiv bildet dafür eine zentrale Grundlage: Seine Dokumente, Fotografien und Aufzeichnungen ermöglichen es uns, historische Zusammenhänge nachzuvollziehen und die Geschichte unserer Fahrzeuge fundiert zu rekonstruieren.“
Sechs Fahrzeuge sind heute bekannt
Sechs 356 SL sind heute bekannt, drei befinden sich in den USA, je einer in Mexiko und Belgien sowie das Fahrzeug von 1952 in der Porsche-Unternehmenssammlung. Es ist das einzige der neun Fahrzeuge, das durchgehend im Firmenbesitz geblieben ist.
Info
Die neue Episode der „Raceborn Moments“ zum Porsche 356 SL von 1952 ist ab sofort auf dem Porsche YouTube-Kanal veröffentlicht.