Bilder aus einer anderen Zeit: Während heute vor allem Kombis und SUV’s mit Blaulicht auf dem Dach für Ordnung und Sicherheit sorgen, sah es in den 1950ern und 1960ern noch deutlich anders aus. Das zeigt ein Fundstück aus dem Archiv der Kantonspolizei Zürich. Das Bild, aufgenommen auf dem Zürcher Kasernenareal, stammt aus den späten 1950ern oder frühen 1960ern und zeigt die damalige Flotte der Kapo. Nebst VW Käfer und Bulli, Mercedes-Benz Ponton oder Peugeot 403 setzten die Ordnungshüter auf mindestens drei Porsche 356 Cabriolets.
Zu den genauen Beweggründen für diese Wahl ist heute leider fast nichts mehr in Erfahrung zu bringen. Die Akten dazu sind längst vernichtet, die Zeitzeugen, die damals mit den 356ern auf Streife gingen, nicht mehr auffindbar. Sicher ist: Schon damals waren die Porsche im Streifendienst etwas ganz Besonderes. Ein Blick auf die Preise zeigt warum: Während ein Käfer damals knapp 4'000 Franken kostete, waren für ein 356 Cabriolet mehr als 15'000 Franken fällig. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Arbeiter verdiente Mitte des letzten Jahrhunderts um die 9'000 Franken pro Jahr.
Vorteil Cabriolet
Die Entscheidung für das deutlich teurere Cabriolet kam wohl nicht von ungefähr: Das offene Verdeck erleichterte dem Beifahrer vermutlich die Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern, schliesslich gab es damals noch keine leuchtenden Schilder mit LED-Schrift. Bei Bedarf konnten sich die Beamten sogar auf den Sitz stellen und hatten damit einen besseren Überblick über das Geschehen, beispielsweise um den Verkehr zu regeln. Hinzu kamen die Wendigkeit, die Zuverlässigkeit und das sportliche Fahrverhalten der Porsche.
Der Wechsel zum 911
Offenbar bewährten sich die Sportwagen im Polizeialltag. 1963 präsentierte Porsche den Nachfolger des 356 – den 901, der kurz darauf zum 911 umbenannt wurde und Geschichte schrieb. Auch die Kapo Zürich machte diesen Wandel mit und stellte den 911 und das Schwestermodell 912 mit Vierzylindermotor in den Dienst. Auch bei diesen beiden sprachen die guten Fahreigenschaften und die Zuverlässigkeit für einen Einsatz im Polizeidienst. Ein weiterer entscheidender Vorteil war der Heckmotor. Der sorgte bei schlechter Witterung oder gar bei Schnee für deutlich besseres Vorankommen als bei der damals üblichen Konstruktion mit Frontmotor und Hinterradantrieb. Personenwagen mit Allradantrieb gab es zu jener Zeit noch nicht.
Mindestens ebenso wichtig war ab 1966 die veränderte Verkehrsführung. Im Mai diesen Jahres öffnete das Teilstück der Autobahn A3 zwischen Wollishofen und Richterswil. Mit der neuen Autobahn stiegen auch die Anforderungen an die Einsatzfahrzeuge. Um mit den höheren Geschwindigkeiten Schritt zu halten, benötigte die Kantonspolizei entsprechend motorisierte Fahrzeuge. Eine Aufgabe, die perfekt zum 911 passte.
Tempi passati
Bei all den einleuchtenden Argumenten fragt man sich, warum die Kantonspolizei Zürich heute nicht mehr auf den Porsche 911 setzt. Zum einen spielen natürlich Kosten und Öffentlichkeitswirkung eine Rolle. Vor allem aber geht es um veränderte Anforderungen. Während der Streifenwagen in den 1950er und 1960er-Jahren vor allem zur Beförderung der Beamten diente, ist er heute im Prinzip eine rollende Einsatzzentrale. Längst gehören weit mehr als Funkgerät und Blaulicht zur Ausrüstung eines Streifenwagens: Signalisation, Messgeräte und Beleuchtung, Ausrüstung für Spurensicherung und Beweisaufnahme, Erste-Hilfe-Ausrüstung. Hinzu kommen Schutzausrüstung und Waffen samt Zubehör, Handschellen und diverse Werkzeuge oder Feuerlöscher. Des Weiteren sind auch digitale Begleiter Pflicht, sowie die umfangreiche Beleuchtung. Zusätzliche Batterien stellen sicher, dass sämtliche Systeme auch im Stand zuverlässig funktionieren.
Trotz alledem muss der Streifenwagen weiterhin Platz bieten, um bei Bedarf Personen auf der Rückbank zu befördern. So viel Platz bietet selbst der alltagstauglichste Sportwagen, der Porsche 911, nicht. Und auch das hohe zusätzliche Gewicht würde dem Sportler nicht gut stehen. Nach wie vor würde der 911 aber natürlich mit Zuverlässigkeit und Wendigkeit punkten. Bei jeder Witterung. Und stehend aus dem offenen Cabriolet den Verkehr regeln – auch das wäre mit einem Porsche-Streifenwagen noch möglich. An Zuverlässigkeit und Wendigkeit würde es dem 911 allerdings auch heute nicht mangeln. Und als Polizeifahrzeug wäre der Sportwagen noch immer ein Blickfang. An Leistung fehlt es ohnehin nicht: Mit bis zu 711 PS hätte jeder Flüchtende wohl schlechte Karten.