Auf einen Blick
- Porsche-Fahrer Kirk Gittens, der mit einer Motoneuron-Erkrankung lebt, trifft bei einem besonderen Besuch in Zuffenhausen einige seiner persönlichen Porsche-Helden.
- Eine Freundschaft, die bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung begann, führt ihn ins Porsche Museum, zu Sonderwunsch und zu einem Treffen mit Andreas Preuninger.
- Von gemeinsamen Spenden-Roadtrips bis zur Freiheit am Steuer seines 911 Targa: Gittens erzählt, was Porsche, Freundschaft und Gemeinschaft für ihn bedeuten.
Auf der Rückseite von Kirk Gittens Elektrorollstuhl stehen jetzt sechs handgeschriebene Worte von Andreas Preuninger: „In case of doubt, flat out.“ (auf Deutsch: „Im Zweifel: Vollgas.“). Für Gittens, dessen Zuhause voller Porsche-Erinnerungsstücke ist, war allein die Begegnung mit dem Leiter GT-Fahrzeuge ein Höhepunkt seines Besuchs in Stuttgart-Zuffenhausen. Nun begleitet ihn Preuningers persönlicher Gruß täglich auf dem Elektromobil, auf das er im Alltag angewiesen ist.
Gittens beschreibt den Besuch als „einfach unglaublich“. Auf dem Programm standen das Porsche Museum, eine Werksführung und ein Blick hinter die Kulissen von Sonderwunsch. Besonders in Erinnerung bleibt ihm jedoch, wie herzlich er aufgenommen wurde. „Die Porsche-Community ist für mich wie eine großartige Familie. Es bedeutet mir unglaublich viel, wie sie mich und meine Situation annimmt.“
Vor zwei Jahren erhielt der verheiratete Familienvater die niederschmetternde Prognose, dass ihm nur noch sechs Monate zu leben blieben. Aufgrund der vermeintlichen Erkrankung wurde ihm zudem die Fahrerlaubnis entzogen. Schweren Herzens verkaufte er seinen 911 Carrera der Generation 992. Sechs Monate später wurde die Diagnose korrigiert: Gittens leidet an einer langsamer fortschreitenden Form der Motoneuron-Krankheit (MND). Er setzte sich erfolgreich dafür ein, seine Fahrerlaubnis bis auf Weiteres zurückzuerhalten. Noch in derselben Woche erfüllte er sich einen Traum und kaufte einen 911 Targa 4 der Generation 991.2 in GT-silbermetallic.
„Dieses Auto vor der Tür zu wissen und jederzeit damit losfahren zu können, war genau der Neuanfang, den ich gebraucht habe“, sagt Gittens. „Porsche ist für mich mehr als ein Auto. Es ist ein Gefühl, eine Lebenseinstellung. Es ist meine Leidenschaft.“
Diese Leidenschaft führte Gittens schließlich auch nach Stuttgart: Gemeinsam mit seiner Frau Ali und zwei Freunden reiste der 56-Jährige nach Zuffenhausen. Ohne Hilfe kann er inzwischen nicht mehr gehen, auch das Sprechen fällt ihm zunehmend schwer. Autofahren kann er bislang jedoch ohne Einschränkungen. Und die kostbaren Momente am Steuer geben ihm ein Stück Vertrautheit zurück. „Wenn ich meinen Targa fahre, fühle ich mich wieder wie früher. Er gibt mir ein Gefühl von Freiheit. Ich fahre so oft ich kann und genieße jeden einzelnen Kilometer.“
Eine Freundschaft, die mit Porsche begann
Organisiert wurde die Reise nach Zuffenhausen von James Vellacott. Gittens lernte ihn vor vier Jahren bei „Porsches by the Lake“ kennen. Vellacott ist Mitbegründer der Wohltätigkeitsveranstaltung im Süden Englands, deren Teilnehmerzahl bewusst auf 1.000 begrenzt ist. Ziel ist es, Porsche-Enthusiasten zusammenzubringen und dabei jedes Jahr mehrere Tausend Pfund für wohltätige Zwecke zu sammeln.
Die beiden Freunde beschlossen, gemeinsam auf Reise zu gehen. Im Mai dieses Jahres fuhren sie mit ihren Ehefrauen von Großbritannien nach Frankreich und legten mehr als 2.000 Kilometer zurück. Unterwegs machten sie auf die Arbeit der Motor Neurone Disease Association aufmerksam. Die Organisation unterstützt Menschen mit Motoneuron-Erkrankungen, setzt sich für eine bessere Versorgung ein und fördert die Forschung an Behandlungsmöglichkeiten sowie mit Blick auf eine mögliche Heilung.
Für Gittens sind diese und weitere Freundschaften, die über den Porsche Club of Great Britain entstanden sind, von unschätzbarem Wert. Ihre gemeinsamen Unternehmungen unterstützen zugleich eine Organisation, die Gittens und seiner Familie wichtige Hilfe bietet. Neben der Reise nach Frankreich nahm er an einer Spendenfahrt des Porsche Club GB teil, die vom Norden Schottlands bis in den Südwesten Englands führte. Dabei absolvierte er mehrere Etappen zwischen Porsche-Zentren in Großbritannien. Nach Angaben von Gittens kamen über seine eigene Spendenseite und die Aktivitäten des Clubs bislang mehr als 27.000 Euro für die MND Association zusammen.
Herzlich willkommen in Zuffenhausen
In Zuffenhausen erlebte Gittens jene Herzlichkeit, die er bereits von Treffen und gemeinsamen Reisen kannte – auch bei Menschen, die er bis dahin nur aus der Ferne bewundert hatte. Vellacott hatte Boris Apenbrink, Leiter Produktmanagement, angesprochen und ihm von seinem Wunsch erzählt, gemeinsam mit seinem Freund nach Zuffenhausen zu kommen. Apenbrink half dabei, den Besuch möglich zu machen.
Den Auftakt bildete eine persönliche Führung durch das Porsche Museum. Am nächsten Morgen ging es zu Sonderwunsch, wo Apenbrink die Gruppe empfing. Dort wartete eine weitere Überraschung: Andreas Preuninger kam hinzu. Für Vellacott war es der Höhepunkt des Besuchs, mitzuerleben, wie Apenbrink und Preuninger seinem Freund besondere Einblicke ermöglichten und sich mit ihm über Porsche austauschten. „Das war ziemlich überwältigend“, sagt er. „Kirk hatte Tränen in den Augen, und ich glaube, uns allen ging es ähnlich.“
Bei Sonderwunsch konnten die Freunde außergewöhnliche Kundenfahrzeuge aus der Nähe betrachten und erleben, mit welcher Handwerkskunst individuelle Vorstellungen Wirklichkeit werden. Bei der anschließenden Werksführung erhielten sie Einblicke in die Produktion der Porsche-Sportwagen. Manche Momente blieben dabei bewusst ohne Foto. „Keine Handys, einfach nur großartige Erinnerungen“, sagt Gittens. Und dann war da noch der handschriftliche Gruß auf seinem Rollstuhl: ein ganz persönliches Andenken von jemandem, dessen Arbeit er seit Langem bewundert.
Zurück zu Hause blickt Gittens bereits dem nächsten Treffen mit seinen Freunden und einer weiteren gemeinsamen Reise in ihren Porsche entgegen. Wenn es seine Gesundheit zulässt, soll es nach Monaco gehen. Bis dahin gilt es, Routen zu planen und passende Unterkünfte zu finden. Vor allem aber warten weitere Kilometer in seinem Traum-911. „Ich kann es ehrlich gesagt kaum erwarten, wieder in meinen Targa zu steigen“, sagt Gittens, „und meine Porsche-Familie beim nächsten Treffen wiederzusehen.“