Eine Runde auf der Isle of Man mit TT-Legende John McGuinness

Für die neueste Ausgabe der Content-Reihe „Sunday Drives“ steigt Motorradrennsport-Legende und Porsche-Enthusiast John McGuinness in seinen 911 und zeigt den Ort, der ihn seit Jahrzehnten fasziniert: die Isle of Man.

Seit seinem TT-Debüt im Jahr 1996 hat John McGuinness Tausende Runden auf dem Mountain Course der Isle of Man absolviert. Der Träger des britischen Verdienstordens kennt jede der rund 260 Kurven und 23 Siege unterstreichen seinen Status als einer der erfolgreichsten Fahrer und größten Experten des legendären TT-Kurses. Doch auch auf vier Rädern zieht es den 54-Jährigen immer wieder auf die Insel, bevorzugt am Steuer seines Porsche 911 Carrera 4S der Baureihe 996.

John McGuinness, Porsche 911 Carrera 4S (996), Isle of Man, 2026, Porsche AG

Seine Leidenschaft für die Isle of Man begann bereits in jungen Jahren. Aufgewachsen im nordenglischen Küstenort Morecambe, schwänzte McGuinness gelegentlich die Schule, um mit seinem BMX heimlich die Fähre über die Irische See nach Douglas zu nehmen. Damals konnte er kaum ahnen, dass eines Tages sogar eine Kurve des 60 Kilometer langen TT-Kurses seinen Namen tragen würde.

Eine lebenslange Verbindung zur Isle of Man TT

„Schon als Kind habe ich davon geträumt, bei der Tourist Trophy zu fahren. Wie sich herausstellte, habe ich praktisch mein gesamtes Erwachsenenleben genau damit verbracht“, sagt McGuinness. „Ich fahre so oft wie möglich auf die Isle of Man. Jede Bodenwelle, jede Kuppe und jede Kurve birgt das Geheimnis einer noch schnelleren Runde und erinnert zugleich an Geschichten vergangener Rennen.“

John McGuinness, Tourist Trophy, Isle of Man, 2026, © Double Red/Honda

Wenn die Straßen für den öffentlichen Verkehr freigegeben sind, gilt auf den meisten Abschnitten Tempo 30 Meilen pro Stunde [48 km/h]. „Im Rennen durchfahre ich dieselben Bereiche mit nahezu 190 Meilen pro Stunde [306 km/h]. Deshalb verspüre ich im Auto nicht das Bedürfnis nach Höchstgeschwindigkeit. Die Ideallinie zu treffen, macht aber trotzdem Spaß.“

Im Porsche 911 über den legendären TT-Kurs

Kaum hat man die Fähre in Douglas verlassen, ist man nach wenigen Minuten und nur einigen Ampeln auf einer der großartigsten Straßen der Welt. McGuinness hat zu nahezu jedem Abschnitt eine Anekdote parat. „Sogar der Teil hinter Ago’s Leap hat seinen ganz besonderen Reiz, wenn die Straßen für den öffentlichen Verkehr geöffnet sind. Auf der linken Seite liegt der Secret Garden. Die Besitzerin Ros empfängt dort regelmäßig bekannte Gäste, die erleben möchten, wie sich 170 mph [274 km/h] anfühlen“, erzählt er. „Dort habe ich schon einigen Freunden die Tourist Trophy nähergebracht.“

John McGuinness, Porsche 911 Carrera 4S (996), Isle of Man, 2026, Porsche AG

Zu diesen Freunden zählen Porsche-Markenbotschafter Mark Webber, Motorjournalist und TV-Moderator Chris Harris sowie Automobilsammler und Kurt-Geiger-CEO Neil Clifford. „Und noch ein paar andere Porsche-Leute“, ergänzt McGuinness mit einem Lächeln.

Im Elfer präsentiert sich derselbe Streckenabschnitt weniger spektakulärer. „Mit dem Auto ist das eine schnelle Passage im dritten Gang, die man fast nebenbei durchfährt. Auf dem Motorrad geht es dort im fünften Gang bei Vollgas entlang. Und wenn ich weiß, dass ein Freund zusieht, dann auch gerne mal auf einem Rad.“

John McGuinness, Tourist Trophy, Isle of Man, 2026, © Double Red/Honda

Die Schlüsselstellen der Isle of Man TT

Nach hartem Anbremsen vor der Quarterbridge, einer der langsameren Kurven des Kurses, führt die Strecke vorbei am Rugby Club weiter in Richtung Braddan und anschließend über die Westseite der Insel. „Die Quarterbridge ist tückisch, weil sie die erste Stelle auf der Runde ist, an der richtig stark gebremst und eingelenkt werden muss“, erklärt McGuinness. „Nach einem Jahr Wartezeit, mit kalten Reifen und vollem Tank, kann man dort schnell zu viel riskieren.“ Im Auto wirkt die Stelle fast unscheinbar: ein kleiner Kreisverkehr, mit einem Schnellrestaurant gleich um die Ecke und einer Tankstelle ganz in der Nähe. „Auf dem Motorrad fährt man die Kurve im ersten Gang an, nimmt den inneren Randstein mit und beschleunigt dann auf dem Weg zur Braddan Bridge unter Volllast bis in den vierten Gang.“

John McGuinness, Tourist Trophy, Isle of Man, 2026, © Double Red/Honda

Auf dem Weg nach Laurel Bank, gesäumt von sattgrünen Straßenrändern, fällt McGuinness' Antwort auf die Frage nach der Fahrweise auf dem Motorrad denkbar knapp aus: „Vollgas im höchsten Gang.“ Im Porsche jedoch könne er die Fahrt anders genießen.

Auf der Cronk-Y-Voddy-Geraden hat McGuinness die reizvolle Gelegenheit, den Blick über die Landschaft schweifen zu lassen – ein Erlebnis, das für ihn im Rennmodus sonst nicht möglich ist. „Normalerweise fahre ich hier mit Vollgas im höchsten Gang, den Blick fest auf den Horizont gerichtet und das Motorrad genau auf der Fahrbahnkrone balancierend.“

John McGuinness, Tourist Trophy, Isle of Man, 2026, © Double Red/Honda

Mit 290 km/h durch die McGuinness’s Corner

Hinter Handley’s, einer von Steinmauern gesäumten Kurve, wurde eine leichte Linksbiegung im Jahr 2013 offiziell in „McGuinness’s Corner“ umbenannt. „Es ist ein großartiges Gefühl, hier eine eigene Kurve zu haben, besonders wenn man bedenkt, wer sonst noch auf diese Weise geehrt wurde.“ Wie man die Passage perfekt nimmt? McGuinness antwortet mit einem Augenzwinkern: „Vollgas im sechsten Gang bei 180 mph [290 km/h].“

Von dort führt die Strecke weiter zum Ramsey Square. Auf dem Marktplatz legt McGuinness außerhalb der Rennen gerne eine Pause ein, meist auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen im „Hutch“ oder im „Dolce Vita“. „Parkplätze findet man problemlos und der Kuchen ist hervorragend. Außerdem verändert sich die Landschaft deutlich, sobald wir Ramsey hinter uns lassen und hinauf in die Berge fahren. Bei schlechtem Wetter kann es dort oben ziemlich rau werden.“

Porsche 911 Carrera 4S (996), Isle of Man, 2026, Porsche AG

Von Ramsey hinauf in zur Mountain Section

Die Rechtskurve am Gooseneck markiert den Beginn der berühmten Mountain Section, jenes Streckenabschnitts, auf dem kein generelles Tempolimit gilt. „Bei guter Sicht kann man die Straße und den Gegenverkehr kilometerweit überblicken. Einen Ort wie diesen gibt es nirgendwo sonst auf der Welt“, sagt McGuinness. „Auf dem Motorrad erreiche ich hier in einigen Abschnitten bis zu 195 mph [314 km/h].“

Über Windy Corner, vorbei an Kate’s Cottage und hinunter zum legendären Creg Ny Baa Pub kehrt das Tempo allmählich zur Normalität zurück, auch wenn die Aussicht weiterhin außergewöhnlich bleibt. „Sobald Douglas tief unten in Sicht kommt, weiß man, dass die Runde fast geschafft ist, auch wenn noch ein paar Kilometer vor einem liegen. Dieser Ausblick ist jedes Mal etwas Besonderes.“

Die lang gezogene Linkskurve von Brandish und die schnelle Rechtskurve bergauf bei Hillberry markieren das Ende der offenen Streckenabschnitte. Danach führt der Kurs wieder durch bebaute Gebiete und das Tempo sinkt auf dem Weg zu The Nook. „Das ist der einzige Abschnitt des Kurses, der nicht das ganze Jahr über für den öffentlichen Verkehr freigegeben ist“, erklärt McGuinness. „Zwischen den Bäumen bleibt die Fahrbahn fast das ganze Jahr feucht. Man muss sich dort bewusst zurücknehmen. Eine starke Runde kann hier durch einen einzigen unnötigen Fehler verloren gehen.“

Bei The Nook trifft die Strecke wieder auf die öffentliche Straße und führt über den Kreisverkehr auf die Glencrutchery Road. Die Tribünen und der Kontrollturm stehen elf Monate im Jahr weitgehend leer. Bei einem Tempolimit von 50 km/h verläuft das Leben dort normalerweise in ruhigen Bahnen.

Warum der TT-Kurs einzigartig ist

John McGuinness, Tourist Trophy, Isle of Man, 2026, © Double Red/Honda

„Aber wer in der ersten Juniwoche die Stufen zur Tribüne hinaufsteigt, erlebt etwas Außergewöhnliches“, sagt McGuinness zum Abschluss. „Ich werde es niemals leid, auf dieser Strecke eine Runde zu drehen. Wie könnte ich auch? Für mich ist sie die großartigste Straße der Welt.“

Verbrauchsangaben

  • Macan Turbo (WLTP)*: Stromverbrauch kombiniert: 20,6 – 18,3 kWh/100 km; CO₂-Emissionen kombiniert: 0 g/km; CO₂-Klasse: A